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Subjektivierungen
pp. 91-124
Abstract
Das vorangegangene Kapitel verfolgte nicht nur den Zweck, die methodologische doxa der soziologischen Biographieforschung freizulegen, sondern es hatte auch eine vorbereitende Funktion. Es sollte der Boden dafür bereitet werden, den Primat der Theorie vor der Methode zurückzuerobern. Als Ansatzpunkt dafür dient im Weiteren die Konvergenzthese aus dem sechsten Abschnitt des letzten Kapitels. Ihr zufolge wird der bios in der soziologischen Biographieforschung als ein menschliches Selbstverhältnis verstanden, das zwei Formen annehmen kann. In der ersten Variante ist das Leben ein abgelaufenes Leben – der bios liegt hier hinter dem Biographieträger (Schütze, Rosenthal). Eine solche Vorstellung läuft auf ein Repräsentationsverhältnis hinaus. Entsprechend wird versucht, einen Biographieträger methodisch zur Versprachlichung seines vergangenen Lebenslaufs zu animieren. Und es ist gerade dieser methodisch herbeigeführte sprachliche Selbstbezug eines Menschen, der als Grundlage für die Biographieanalyse dient. In der zweiten Variante des in der Biographieforschung vorausgesetzten menschlichen Selbstverhältnisses steht das Leben einem Biographieträger noch bevor (Oevermann). Nicht dessen sprachliche Repräsentation, sondern die handlungspraktische Bewältigung von Sprech-Situationen steht daher im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Entsprechend läuft die Methode der objektiven Hermeneutik darauf hinaus, nicht die Repräsentation des Lebenslaufs, sondern die Selbstpräsentation des Biographieträgers zu untersuchen. Daraus folgt wiederum, dass die intersubjektive Beurteilung eines Sprechhandelns eine methodisch zentrale Rolle einnimmt.
Publication details
Published in:
Kauppert Michael (2010) Erfahrung und Erzählung: zur Topologie des Wissens. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.
Pages: 91-124
DOI: 10.1007/978-3-531-92308-6_3
Full citation:
Kauppert Michael (2010) Subjektivierungen, In: Erfahrung und Erzählung, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 91–124.