Phenomenological Reviews

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Das sinnlich Gegebene als das Maßgebende

Zur Verteidigung und Weiterführung von Pianas objektivistischer Auffassung der Phänomenologie

Vittorio De Palma(Italian Institute for Philosophical Studies)

Abstract

The paper reconstructs and discusses Piana’s conception of phenomenology, by bringing out its originality in the critical literature and by showing that this conception is confirmed by Husserl’s texts published in the last years. According to Piana, the central idea of phenomenology is that there is an objective or material lawfulness (i.e., a lawfulness grounded in the nature of sensuously given contents, and not in the subject to whom they are given) and the idealistic elements of Husserl’s thought have an ideological motivation only. With regard to the latter claim, the paper shows that Husserl’s idealism in fact does have a theoretical motivation too, namely the psychological assumption that immanent contents are the only immediately viz. properly given.

Das sinnlich Gegebene als das Maßgebende Vittorio de Palma Master XML, sdvig press Patrick Flack February 27, 2020, 3:46 pm ( )

Man suche nur nichts hinter den Phänomenen: sie selbst sind die Lehre.
Goethe, Maximen und Reflexionen, Nr. 575.

Prinzipiell stammen alle Begriffe aus Anschauung und haben einen Sinn, der auf Anschauung sich bezieht.
Husserl, Ms. A VII 20/20a-21a.

Die Einheit des Bewusstseinsfeldes ist immer hergestellt durch sinnliche Zusammenhänge, sinnliche Ähnlichkeitsverbindung und sinnlichen Kontrast. Ohne das könnte keine „Welt“ da sein. Wir könnten sagen: Die sinnliche Ähnlichkeit und der sinnliche Kontrast (der seinerseits eine Ähnlichkeit voraussetzt) ist die Resonanz, die jedes einmal Konstituierte begründet.
Husserl, Hua XI, 406.

Wir sagen nicht nur, dass eminenter die Phänomenologie Erfahrungslehre ist, sondern auch umgekehrt, dass eine in philosophischer Radikalität entwickelte Erfahrungslehre nur die Form einer phänomenologischen Theorie haben kann.
Piana 1996, 114.

1 | Phänomenologischer Objektivismus

11 Im Gegensatz zu den meisten Husserl-Forschern nimmt Piana Husserls Kritik am Psychologismus ernst, indem er betont, dass Phänomenologie keine Psychologie ist und mit der Introspektion nichts zu tun hat. Da die Notwendigkeit der apriorischen Gesetze keine psychologisch-subjektive, sondern eine ontologisch-objektive ist (Hua XIX, 242f.), ist sie nicht auf das Bewusstsein zurückzuführen: „Dass Wesensgesetze gelten, fordert kein faktisches Bewusstsein, obschon natürlich um sagen zu dürfen, dass sie gelten, ein Bewusstsein nötig ist“ (Hua XXXVI, 18). Und da nicht nur das Denken (der Verstand), sondern auch die Erfahrung (die Sinnlichkeit) eine Wesensgesetzmäßigkeit besitzt (Hua XXVIII, 243) – denn neben formalen Wesensgesetzen, die für die analytischen Denkzusammenhänge gelten, bestehen materiale Wesensgesetze, die für die in der Erfahrung erscheinende Realität gelten (Hua XXIV, 333; Hua XLI, 319) –, gründet die Struktur der Erfahrung in den sinnlichen Wasgehalten, und nicht im Subjekt, dem diese gegeben sind. Um ein sinnliches Ähnlichkeitsverhältnis oder die Verbindung von Farbe und Ausdehnung einzusehen, ist nicht auf die Subjektivität, sondern auf die sachliche Wesensbeschaffenheit der Inhalte zu blicken. Es geht nämlich dabei um relations of ideas, d.h. um Beziehungen, die lediglich von der Eigenart der Inhalte abhängen. Solche weltkonstituierenden sachlichen Wesenszusammenhänge auf die sie erfassenden Akte zurückführen, „weil sie sich, wie selbstverständlich, bewusstseinsmäßig konstituieren“, ist Psychologismus, denn dadurch wird ihr eidetischer Sinn, d.h. ihr eigentümliches Wesen „negiert zugunsten der subjektiven Erlebnisse“ (Hua XVII, 177f.).

2Kant vertritt sachlich den Psychologismus (Hua VII, 402), da er die Objektivität auf eine „uns immanente […] Gesetzmäßigkeit der Funktion“ zurückführt (ebd. 361) und die Notwendigkeit der synthetischen Urteile a priori – die „zum Gehalt des Geurteilten“ gehört (ebd. 359) – „als psychologische Notwendigkeit im Sinn einer Naturgesetzmäßigkeit formgebender Funktionen“ ansieht (ebd. 381). In Kants Formenlehre liegt demgemäß „eine Art Psychologie“: Zum menschlichen Intellekt gehören nach ihm gewisse Funktionsformen, deren Gesetzmäßigkeit insofern allgemeingültig ist, als sie zu jedem Menschen als solchen gehört, genauso wie nach Hume zum Wesen der menschlichen Natur notwendige und allgemeine Gewohnheitsgesetze gehören, aus denen die Einheit der Erfahrungswelt erwächst. Es geht beiderseits um „subjektive allgemein menschliche Prinzipien der Erfahrungsbildung“ und die kopernikanische Umwälzung liegt auch in Humes Lehre (ebd. 354).

3Gegen Kant behauptet Husserl, der Raum sei keine subjektive, sondern eine sachliche „Formbeschaffenheit aller Dinge“: „Er gehört zu ihnen und sie gehören zu ihm (als in ihm als der Form seiend), abgesehen von allen subjektiven Bedingungen der Anschauung“, denn es ist „keine subjektive Bedingung der Anschauung, dass Dinge nur gegeben sein können durch Anschauung“ (Ms. B IV 1/33b). Die Unmöglichkeit, sinnliches Material unräumlich zu haben, besagt daher nicht „die Unfähigkeit, eine abweichende Anschauung zu bilden“, die in der Eigenart des Subjekts gründet, „alles sinnliche Material in eine Raumform einordnen zu müssen“; sondern eine „wesensmäßige Unmöglichkeit“, die in der Eigenart des Dings gründet, weshalb „nicht sinnliches Material notwendig räumlich geformt ist“, sondern „sinnliche Eigenschaften eines sinnlich gegebenen Dinges notwendig [...] räumlich sein müssen“ (Hua VII, 357f.). Husserl stürzt demnach Kants Kopernikanische Umwälzung um, die auf der unsinnigen Annahme beruht, dass wir die Gesetzmäßigkeit in die Erscheinungen hineinlegen (KGS IV, 92), da Erfahrung nicht gegeben werden kann, sondern gemacht werden muss (KGS XXI, 322, 366, 392, 394f., 404ff.).

4Wäre der Erscheinungsverlauf sachlich zusammenhangslos, könnten sich keine realen Gegenstände und keine objektive Welt konstituieren, da die Denkspontaneität „nichts an den sinnlichen Unterlagen“ ändern und keineswegs „den Inhalt des unendlichen Laufs bestimmen oder gar ein erst Ungeordnetes geordnet machen“ kann (Ms. B I 4/4b). Das empirische oder transzendentale Subjekt kann nicht den Erscheinungen eine sachliche (erfahrbare bzw. sinnliche) Struktur verleihen, weil „kein ,Synthetisierendes‘ Verbindungen entstehen lassen könnte, wo es keine gibt“ (Piana 1979, 40). Dass wir eine Lücke und das Ergänzungsbedürfnis empfinden können, wenn ein Teil des Ganzen fehlt, besagt also nicht, dass die Gestalt unseren „Gestaltinstinkt“, d.h. eine psychologische Anlage weckt, sondern dass sie nach dem, was sie ist, als eine offene Gestalt auftritt, die genau solche Ergänzung fordert (ebd. 56). Indem er seiner Auffassung der Phänomenologie die Erkenntnis von den „dem phänomenologischen Stoff inhärenten Synthesen“, d.h. von dem „inhaltlichen Grund der Synthesen“ und eine „Ausgrenzung der Subjektivität“, d.h. ihre Reduktion auf bloße „formale Bedingung der Synthesis“ zugrunde legt, macht Piana „eine materialistisch-objektivistische Forderung geltend“ (ebd. 46). Demnach lehnt er „Husserls Weg“ ab, der „zu einer Philosophie der Subjektivität“ führt und „in einer Erneuerung des philosophischen Idealismus“ mündet (Piana 1996, 114).

5Obschon Husserl aus weltanschaulichen Gründen es geleugnet hätte, ist die Phänomenologie sachlich Materialismus, da sie die Seinsauffassung der Erdgeborenen von Platons Gigantomachie teilt: Das wahre Sein besteht nicht aus denkbaren Ideen, sondern aus sinnlichen Körpern. Denn Husserl zufolge „liegt schließlich die materielle Realität allen anderen Realitäten zugrunde“ (Hua III, 354) und die Lebenswelt ist nichts als die „körperliche Natur“ (Hua VI, 461). Der antike Atomismus teilt hingegen die Seinsauffassung der Freunde der Ideen und ist – wie Hegel bemerkt (HW XVIII, 359) – eine Art Idealismus.

2 | Materiale Gesetzmäßigkeit

6Husserl zufolge gibt es Vernunftwahrheiten, die „auf sinnlichen Vorstellungen“ beruhen (Hua XXVIII, 403), weshalb Sinnlichkeit „eine Sphäre […] echter Vernunft“ ist (Hua XXXVII, 220): Neben Wesensgesetzen, die die Vernunft selbst nach ihren möglichen Aktionen zum Thema haben, gehören zur Vernunft Wesensgesetze, die „Sinnlichkeit zum Thema haben. Beiderseits sind Theorien von kantischem Typus […] widersinnig“ (ebd. 225f.). Als Ideenrelation gründet die synthetische Notwendigkeit nicht in subjektiven Formen, sondern in sinnlichen Wesensgehalten. 1891 schreibt Husserl: „Kant übersah, dass viele inhaltliche Verbindungen uns gegeben sind, bei denen von einer synthetischen, die inhaltliche Verbundenheit schaffenden Tätigkeit nichts zu merken ist“ (Hua XII, 41). Im selben Jahr bemerkt Stumpf, dass Kant sich durchaus sträubt, das sinnlich Gegebene maßgebend werden zu lassen und die ausschlaggebenden Gründe der Synthesen im Erscheinungsstoff zu suchen (Stumpf 1891, 479). Da sinnliche Verbindungen den sinnlichen Inhalten entspringen und mit diesen gegeben sind, gibt es eine sachliche, d.h. subjektunabhängige Gesetzmäßigkeit.

7Der der Phänomenologie zugrundeliegende Gedanke materialer Gesetzmäßigkeit ist objektivistischer und antikantischer Prägung.2 Denn er beruht auf der Unterscheidung zwischen selbständigen Inhalten, die für sich bestehen können, und unselbständigen Inhalten, die nur als Teile bestimmt gearteter Ganzen bestehen. Solche „objektive Unterscheidung“ (Hua XIX, 240) betrifft „die ,Natur‘ der Inhalte“ (OC II, 128), da sie „ausschließlich auf der Objektseite“ vollzogen wird, also „auf ein sachliches Merkmal der Inhalte als solcher hinweist, und nicht auf die Weisen, wie sie vorgestellt werden“ (ebd. 124). Materiale Wesensgesetze bestimmen die „notwendigen Zusammenhänge zwischen den Inhalten möglicher Erfahrung“ (ebd. 128), mithin die Weisen, wie diese objektiv bestehen.

8Die Erkenntnis der maßgebenden Funktion vom sinnlich Gegebenen führt die Ablehnung des „transzendentalistischen Standpunkts“ mit sich, wonach die Strukturierungsgesetze der Erfahrung „im Subjekt liegen müssen“ (Piana 1979, 103f.). Das Konstitutionsprinzip ist sachlich, da es in der Eigenart des jeweiligen Wasgehalts liegt. Insofern die Phänomenologie die Weltstruktur auf Wesenszusammenhänge zurückführt, die in der Natur sinnlicher Inhalte gründen und genauso wie diese sinnlich gegeben, also erfahrbar und real sind, ist sie keine Transzendentalphilosophie, sondern ein radikaler oder eidetischer Empirismus.3 Husserl selbst bezeichnet die Phänomenologie als radikalen Empirismus (Hua XXXV, 513) und behauptet, dass Hume den Begriff des Apriori „mit seinen Relationen zwischen Ideen nahe gekommen und mit seinem Prinzip der Rückführung aller Erkenntnis auf ,Impressionen‘ den Weg aller Ursprungsforschung angedeutet hatte“ (Hua XXXVII, 224). Er versteht manchmal den Begriff „transzendental“ im eidetischen Sinn, d.h. als Synonym von „aus der Wesensintuition […] geschöpft“ (Hua XXXII, 123), und bezeichnet die „apriorischen Bedingungen möglicher Erfahrung“ als die „ontisch-apriorische[n] Wesensstrukturen, ohne die eine Welt als Welt möglicher Erfahrung undenkbar wäre“ und die durch die „Methode der Wesensvariation“ zu gewinnen sind (ebd. 118). Sie liegen daher nicht im Subjekt, sondern „im Wesen der Erfahrung“ (Hua XVI, 141).

9Entgegen der Transzendentalphilosophie – deren Grundgedanke ist, dass die Beziehungen zwischen den Phänomenen nicht gegeben sind, sondern vom Subjekt hergestellt werden4 – unterscheidet Husserl zwischen kategorialen Formen, die durch Denktätigkeit geschaffen werden, und sachlichen Formen, die in der besonderen Natur der Inhalte gründen und vor jedem Verbindungsakt gegeben sind (Hua XIX, 288ff., 665ff., 714ff.; EU, 214ff.). Im ersten Fall geht es um „ein subjektives In-Beziehung-Setzen und Bilden einer Beziehung“, im zweiten um eine „reale ,Beziehung‘“ (Hua XLI, 262), die eine materiale oder reale Einheit ergibt (Hua XIX, 291; Hua XXXI, 105).5 Im Gegensatz zu den sinnlichen Formen, die ihre Einheit „der Bestimmtheit der Inhalte“ verdanken (OC II, 136), ist die kategoriale Form eine „der bloßen ,Form‘ des Denkens entsprechende Einheit“, d.h. nur das Korrelat einer „Einheit der Meinung“ (Hua XIX, 289): Sie ist insofern „ganz frei von inhaltlichen Bindungen, von der Beziehung auf die Inhalte einer möglichen Erfahrung“, als sie „nicht aus den Sachen selbst stammt, sondern daraus, dass die Objekte gerade bloß ,zusammengedacht‘ sind“ – „und nicht zugleich ,anschaulich gegeben‘“ (OC II, 137f.). Während also die formale Einheit einer kategorialen Menge von der sachlichen Besonderheit der Inhalte unabhängig ist und durch das Denken hergestellt wird, stammt die reale Einheit eines sinnlichen Ganzen aus der sachlichen Besonderheit der Inhalte und konstituiert sich in der Einheit einer sinnlichen Anschauung (Hua XXXI, 101; EU, 223, 296f.).

10Da sinnliche Einheitsformen „vor der Vernunftfunktion der Begrifflichkeit und des Urteils“ liegen (Hua VII, 224), liefert Sinnlichkeit dem Verstand einen sachlich gegliederten Stoff: In der Erfahrung „liegen nicht nur Inhalte, sondern auch Organisations- und Strukturierungs-weisen zwischen ihnen“ (Piana 1979, 183), die nicht subjektiver Tätigkeit entspringen, sondern ohne Eingreifen des Subjekts gegeben sind.

11Sinnliche Beziehungen konstituieren sich nach denselben sachlichen Strukturgesetzen wie sinnliche Inhalte und sind ebenso passiv gegeben. „Unsere Geistestätigkeit macht nicht die Relationen; sie sind einfach da und werden bei gehöriger Richtung des Interesses bemerkt so gut als irgendwelche andere Inhalte“ (Hua XII, 42). Freilich wird Ähnlichkeit nicht immer und unbedingt wahrgenommen. Aber wo immer sie wahrgenommen wird, wird sie es als immanente Eigenschaft gewisser Inhalte und ist genauso wie einzelne Inhalte gegeben (Stumpf 1939/40, 156f.). Unter Bedingungen steht selbst die Wahrnehmung einzelner Inhalte, die je nach der Aufmerksamkeitszuwendung und dem Zusammenhang stattfindet oder nicht. Wo jedoch solche Bedingungen erfüllt sind,

drängen sich die wahrnehmbaren Verhältnisse ebenso auf wie die absoluten Inhalte, sie sind uns mit ihnen gegeben, […] sozusagen in sie eingebettet. Nicht das Bewusstsein ,stiftet‘ Beziehungen zwischen unseren Empfindungsinhalten, sondern sie sind dem Bewusstsein gegeben, es hat sie nur zu konstatieren“ (ebd. 222).

12Da sich Konfigurationen wie eine Melodie und Inhalte wie ein Ton nach denselben sachlichen Gesetzten konstituieren, haben auch letztere „in sich selbst einen inneren synthetischen Aufbau“ (Hua XI, 140). Das Gegebene ist also sowohl Grund als auch Ergebnis der Synthesis (Piana 1979, 50ff.). Denn jeder Inhalt erscheint anders je nach dem Zusammenhäng und es kann keine vereinzelten Inhalte geben (Hua XI, 157f., 175), da sinnliche Inhalte in sinnlichen Einheitsformen erscheinen (Hua VII, 222 Anm. 2). Jeder Inhalt hat jedoch eine eigene Beschaffenheit unabhängig vom Zusammenhang. Wenn nämlich die einzelnen Inhalte keine absolute Eigenschaft hätten, könnten sie auch keine relative Eigenschaft haben, und wenn sie unabhängig voneinander keine Bestimmung hätten, wären selbst die Beziehungen zwischen ihnen unbestimmt.6 Was und wie es erscheint, d.h. zur Abhebung kommt, hängt vom sinnlichen Zusammenhang ab, dieser hängt jedoch seinerseits von der Besonderheit zugehöriger sinnlicher Inhalte ab.7 Demgemäß erscheint dieselbe Farbe zwar durch den Farbenzusammenhang anders, aber ihre Eigenart bestimmt den Farbenzusammenhang nicht weniger als sie von diesem bestimmt wird, weil der jeweilige Farbenzusammenhang den jeweiligen Farben entstammt: Wären diese andere, wäre jener ein anderer.8

3 | Passivität und Konstitution

13Es besteht ein Parallelismus zwischen der formalen Funktion des „Ich denke“ bei Kant und der Zeitlichkeit bei Husserl einerseits und der inhaltlichen Funktion der Kategorien bei Kant und der Assoziation bei Husserl andererseits (Piana 1979, 40ff.).

14Zeitbewusstsein ist „nur ein eine allgemeine Form herstellendes Bewusstsein“ (EU, 76, 207). Denn die Zeitform ist – genauso wie das leere Etwas der formalen Logik – eine allgemeinste Form jedes erdenklichen individuellen Inhalts, während der sie erfüllende Inhalt je nach seiner sachhaltigen Eigenart verschieden ist (Hua XI, 138, 333f.; Mat VIII, 295ff.). Solchen bloß formalen Charakter teilt die zeitliche Synthese mit der kategorialen Synthese: Genauso wie die kollektive Verbindung eine „lose und äußerliche“ ist gegenüber der inhaltlichen Verbindung (Hua XII, 20), ist die zeitliche Einheit eine „losere“ gegenüber der assoziativen Einheit (Mat VIII, 297). Da also die Analyse des Zeitbewusstseins „von dem Inhaltlichen abstrahiert“, kann sie nicht sagen, „was dem jeweiligen Gegenstand inhaltliche Einheit gibt, was Unterschiede des einen und anderen inhaltlich ausmacht“ (Hua XI, 128). Die Gegenstandskonstitution ist auf inhaltliche Synthesen angewiesen: Damit eine nicht bloß formale Einheit sich konstituieren kann, „muss im erfüllenden Inhalt Kontinuität der Ähnlichkeit statthaben. Es müssen inhaltliche Bedingungen der Assoziation nach Koexistenz und Sukzession erfüllt sein“ (Mat VIII, 9). Die Apperzeption stammt eben aus der „Deckung des Ähnlichen mit Ähnlichen in Koexistenz und Sukzession“ (Hua XXXIX, 419).9

15Die Ähnlichkeit von kontrastierend Gesondertem bildet die Grundbedingung der Weckung (Hua XI, 179). Die Wiedererinnerung ist gerade eine durch eine ähnliche Vorstellung geweckte Vorstellung, also ein Wieder-explizit-Werden des Impliziten (ebd. 181, 174, 193, 205; Hua XXXII, 149ff.): Indem es in die Vergangenheit herabsinkt, wird das Bewusste unbewusst, aber „das Null dieser Bewusstseinslebendigkeit“ ist „keineswegs ein Nichts“ (Hua XI, 167), sondern die „sedimentäre Ablagerung“ (Hua XXXII, 152), nämlich „das beständige Reservoir der in dem lebendigen Gegenwartsprozess zu lebendiger Stiftung gekommenen Gegenstände. Für das Ich sind sie darin verschlossen, aber sehr wohl zu seiner Verfügung“ (Hua XI, 177; vgl. 193f., 208). Alle Erinnerungen haben also „ihr Motiv“ (Mat VIII, 265), d.h. einen sachlichen, wenngleich unbewussten Grund (Piana 1979, 88ff.; OC XXIV, 179ff.). Denn von der ganzen assoziativen Kette kann nur das letzte Glied übrigbleiben: „Die Wiedererinnerung tritt nun wie ein isolierter Einfall auf, obschon doch jedenfalls ein Zusammenhang da war und verborgen da ist, der nur darum, weil er da ist, intentional enthüllt werden, herausgefragt und herausinterpretiert werden kann“ (Hua XXXII, 151f.; vgl. Hua XXXIII, 361ff.).

16Gerade um dieses Enthüllen strengt sich öfters die Hauptfigur von À la recherche du temps perdu an und selbst nach Proust ist das Gedächtnis nicht „un exemplaire en double, toujours présent à nos yeux, des divers faits de notre vie“, sondern „un néant d’où par instant une similitude actuelle nous permet de tirer, ressuscités, des souvenirs morts“ (Proust 1954, 181). Während Proust einsieht, dass Ähnlichkeit das Assoziationsgesetz ist, meint Hegel (dessen Auffassung der Intelligenz an Husserls Ablagerung und an Prousts néant erinnert),10 Assoziation sei willkürlich oder zufällig, also gesetzlos, und die „Attraktionskraft der ähnlichen Bilder“ sei „die Intelligenz selbst, das mit sich identische Ich“ (HW X, § 455 A). Hegel verkennt, dass die Deckung des Ähnlichen passiv, d.h. ohne Ichbeteiligung stattfindet, insofern sie eine sachliche Grundlage hat: Die Verweisungen zwischen sinnlichen Inhalten entspringen nicht dem Subjekt, sondern der subjektunabhängigen Eigenart der Inhalte, weil sie in der Ähnlichkeit gründen, die „ohne aktives Beziehen“ vorgegeben ist (Hua XXXV, 437; Hua XXXII, 153; Hua XI, 406) und bewirkt, dass alles Wahrgenommene vor der begrifflichen Auffassung typisch apperzipiert ist (Hua XXXII, 200; Hua XLI, 388, 273). „Der induktive Weckungszusammenhang zwischen originaler Gegenwart und wiedererinnerter Vergangenheit ist nicht eine Hypothese“ (Hua XXXII, 151), sondern gehört zur „ursprünglichen […] induktiven Leistung“ der Erfahrung (ebd. 143).

17Nicht nur Wiedererinnerungen, sondern auch Erwartungen sind inhaltlich bestimmt (Piana 1979, 95ff.) und stellen sich nach Wesensgesetzen oder Ideenrelationen ein, die Hume gesehen, aber als empirisch-psychologische Gesetzmäßigkeiten missverstanden hat (Hua XXIV, 352, 354). Denn „Ähnliches erinnert an Ähnliches, aber lässt auch Ähnliches erwarten, wie in der Sukzession, so in der Koexistenz“ (Hua XI, 185), und darin liegt „eine ursprüngliche Vernunftform“ (Hua XIII, 356). „[D]er Stil sozusagen des ,Kommenden‘ ist durch das soeben Vergangene vorgezeichnet“, weil „jeder retentionale Verlauf – in reiner Passivität, ohne Mitbeteiligung des aktiven Ich – alsbald und stetig Erwartungs-intentionen motiviert und damit erzeugt, die im Sinne der Stilähnlichkeit bestimmt sind“ (Hua XI, 323). Demgemäß fungiert das wahrgenommene Objektfeld als ,,Abschlagszahlung“ für das Zukunftsfeld (Hua XXXII, 144).

18„Erfahrung entspringt aus Erfahrung” (Hua XV, 211) – aber nach apriorischen Gesetzen. Gewohnheit als Induktion ist zwar die Urquelle aller objektiven Sinngebung, aber kein Mechanismus blinder Assoziation (Hua XXXII, 146). Denn die letzten Prinzipien aller Induktionen sind nicht selbst wieder durch Induktionen zu begründen (Hua VII, 172). Insofern assoziative Gewohnheiten aus Ähnlichkeit und Kontiguität stammen, aber Ähnlichkeit und Kontiguität nicht wieder aus assoziativen Gewohnheiten stammen, verfällt der Empirismus einem Zirkel (Piana 1979, 102f.). Im Gegensatz zum hermeneutischen Zirkel, der von Sinn zu Sinn führt, ohne dass die Tatsachen erkennbar sind, an denen die Sinne haften, führt dieser „empiristische Zirkel“ von Tatsache zu Tatsache, ohne dass zwischen ihnen eine Sinnbeziehung erkennbar ist (OC XI, 14). Derartiger „Historismus“, wonach Erfahrungsgebilde geschichtliche Gebilde darstellen, löst „das Problem des materialen Grundes der Erfahrung“ auf (Piana 1979, 103). Sinnliche Verschmelzungen sind „unhistorisch“ (Mat VIII, 338), weil sie nach sachlichen Wesensgesetzen erfolgen.11

19Da sie auf der „Eigenart der Elemente“ beruht, hat Assoziation „sachliche Bedingungen“ (Hua XI, 165). Assoziative Synthesen kommen insofern passiv, d.h. ohne Eingreifen des Subjekts zustande, als sie aus der Ähnlichkeit stammen, die eine Ideenrelation, d.h. ein in den Inhalten gegründeter Zusammenhang ist (ebd. 185, 285, 399f.; EU, 215).12 Passiv ist gerade eine Synthesis, die nicht von synthetischer Tätigkeit geschaffen wird, sondern den Inhalten selbst entspringt: Letztere sind „verbunden, aber keine Aktivität hat sie verbunden, d.i. synthetisch verknüpft. […] Das synthetisch-aktive Bewusstsein (Akt in einem prägnanten Sinn) setzt das sinnliche Verbindungsbewusstsein voraus“ (Hua XLI, 128). Da also passive Geschehnisse „von selbst laufen“ und nur in dem Sinne „subjektiv“ sind, dass sie „aktivierbar sind durch bloße Richtung des Ich darauf“ (Ms. D 12/80a), ist passive Konstitution ein „sachliches Geschehen“, dessen Ergebnis sich „von selbst“ einstellt (Ms. M III 3 I 1 I, § 6; Ms. A VII 13/17b-18a).13

20Die aktive (logisch-urteilsmäßige) Formung ist frei, d.h. unabhängig von der sachlichen Besonderheit der Inhalte (Hua XIX, 716, Hua XXXVI, 23). Ganz anders bei den Wahrnehmungssynthesen, die „keine vereinigenden Tätigkeiten sind“ (Piana 1979, 31), sondern durchaus auf der Seite der Erscheinungen stattfinden: „Ihnen gegenüber findet sich das Subjekt in einer bloß rezeptiven Lage“ (ebd. 32). Im Wahrnehmungslauf „stellt das Gegebene von sich selbst seine eigene Deutung dar“, denn die Erscheinungen organisieren sich selbst unabhängig vom Eingreifen des Subjekts: Der Gedanke passiver Synthese bezweifelt eben die Auffassung einer vereinigenden und formgebenden Subjektivität, deren synthetische Tätigkeit rohe Stoffe gestaltet (ebd.).

21In der statischen Phänomenologie gelten Gegenstände als das proteron pros hemas und Akte als das proteron te physei, weil Gegenstände erst durch Akte gegeben sein können. Die genetische Phänomenologie zeigt jedoch, dass der Vollzug ichlicher Akte durch die sachlichen Gliederungen ichfremder Inhalte bedingt wird: Da ohne sinnliche Abgehobenheiten Akte nicht zustande kommen könnten, sind Inhalte das proteron te physei und der Motor der Konstitution.

22Als „im engsten Sinne ,bewusst‘“ gilt „das, womit ich beschäftigt bin“ (Hua XLII, 38). Ohne Abhebung kann es also kein Bewusstsein geben: „Nur ,Abhebung‘ als Unterbrechung […] des ,absolut glatten‘ Strömens, Verschmelzens ermöglicht eigentliche Affektion und damit Zuwendung und Aktivität, Beschäftigung damit“ (ebd. 26). Denn bei einem durchaus homogenen Feld wird das Ich „nie in Sonderheit affiziert, es kann nicht aufmerksam werden, sich mit nichts beschäftigen“ (ebd. 29f.) und somit nicht „auf etwas richten“ (Hua XXXIX, 462). Da „Aktivität stets Affektion voraussetzt“ (Mat VIII, 183) und Affektion inhaltliche Abhebung voraussetzt (ebd. 351; Hua XI, 149), ist letztere „die Voraussetzung (als Anruf, Anspruch) für den Aktus des Ich als ,Antwort‘ (Bewusstsein im prägnanten Sinn)“ (Mat VIII, 191). „Was ,sachlich‘ sozusagen ohne Ichbeteiligung eins ist […], das übt auch eine Affektion“ (ebd. 195), die die Zuwendung des Ich und somit die intentio bestimmt (Hua XI, 84f.; Hua IX, 131, 209). Insofern also intentionale Akte eine „Antwort“ des Ich auf eine Affektion darstellen14 und das Zustandekommen von Affektionen auf die Homogenität und den Kontrast zwischen sinnlichen Inhalten angewiesen ist (Hua XI, 151, 164, 175, 179), gelten Ähnlichkeit und Kontrast als „Bedingungen der Möglichkeit der Intention und Affektion“ (ebd. 285). Am Anfang ist demgemäß nicht der Akt, sondern die sinnliche „Materie“, die als „Reiz zum Aktus“ fungiert (Hua XXXIX, 433). Ohne sinnliche Gliederungen, keine noetische Intentionalität, mithin kein Bewusstsein von etwas. Da die sinnlichen Strukturen die geistigen Funktionen bestimmen (und nicht umgekehrt),15 wird Bewusstsein im engen oder prägnanten Sinn durch Bewusstseinsfremdes bedingt, dessen sachliche Beschaffenheit der Grund, d.h. das in letzter Instanz bestimmende Moment der Konstitution ist. Zwar weiß man um Bewusstseinsfremdes erst durch Bewusstsein. Aber aus Bewusstsein lässt sich die jeweilige Besonderheit des Bewusstseinsfremden nicht herleiten, die bewirkt, dass die Erfahrungswelt ist, was sie ist.

23Das Bewusste oder Gegebene ist nicht selbst Bewusstsein oder Bewusstseinsimmanentes, denn „für mich ist, was ich selbst nicht bin, aber was ich in meinem Sein […] bewusst habe als Nicht-Ich. […] Das Subjektive ist Bewusstsein von Nichtsubjektivem, und die Zeitigung ist auch Zeitigung dieses Nichtsubjektiven“ (Mat VIII, 361). Das Nicht-Ich, das den „nichtsubjektive[n] Kern“ der Konstitution (ebd.) bildet, besteht aus ichfremden Inhalten in sinnlichen Feldern (ebd. 183, 188f., 199, 295). Das transzendentale Ich ist demgemäß „ein Relatives, eine ichliche Struktur gegenüber dem, was dem Ich vorgegeben ist“ (ebd. 59).

4 | Erfahrung und Denken

24Nicht die logischen Formen, die „Zutaten der Urteilsaktivität“ sind (Hua XVII, 398) und keine reale Bedeutung haben, sondern die sinnliche Wesensform der Welt bestimmt die Weisen, wie diese erkannt werden kann. Da die Erfahrungswelt „gewisse intuitiv aufweisbare Strukturen hat, die uns binden, die an unser prädikatives Denken also Forderungen stellen […], sind die an ein vernünftiges Erkennen zu stellenden Forderungen nicht solche, die wir leer formal deduzieren“, sondern „solche, die die Welt selbst, die zunächst sinnliche, an uns stellt durch den ihr eigenen Sinn, sofern dieser ursprüngliche und erste Sinn (sinnliche Welt) in sich Möglichkeiten und Tendenzen zur Idealisierung als ,objektiv‘ in sich hat“ (Hua XXXII, 101f.). Erst das Bestehen sachlicher Wesenszusammenhänge ermöglicht die Anwendung formaler Denkbestimmungen: Man kann der Erfahrung eine begriffliche Denkform verleihen, nur weil sie eine vorbegriffliche Struktur aufweist. Wissenschaftliche Erkenntnis setzt nämlich voraus, dass die sinnliche Welt „tragfähig für das wissenschaftliche Denken“, „logifizierbar“, also „Antizipation“ einer exakten Welt ist (ebd. 97, 100f.). Demgemäß ist Erfahrung schon Methode16 und kann nur insofern logisch-begrifflich erfasst werden, als in ihren Gegebenheiten „Rationalität“ liegt (Mat IX, 439).

25Der Phänomenologie liegt die Unterscheidung zwischen dem sinnlich Erfahrenen und seiner denkmäßigen Bestimmung (Hua IX, 57f.), also zwischen Erfahrungslehre und Wissenschaftslehre zugrunde. Im Gegensatz zum passiv Vorgegebenen sind die Produkte der Denktätigkeit nicht erfahren:

ein prädikatives Gebilde ‚Gold ist gelb‘ ist nicht erfahren, aber das Gold ist eventuell erfahren und ebenso das Gelb. Nicht mehr: Gelb als Prädikat des Subjekts ‚Gold‘, die Subjektformung und Prädikatformung vollzieht das urteilende, beziehende Denken, in dem allein auch das Ist, der Ist-Verhalt, der ‚Sachverhalt‘ entspringt (ebd. 95f.).

26Das ist „ein fundamentalster Unterschied“ (Hua XI, 291): Während bei idealen Gegenständen „eine vorkonstituierende Aktivität der objektivierenden Erfassung vorangeht“ (Hua XXXI, 53), ist das Erfassen sinnlicher Gegenstände „ein bloßes Rezipieren eines vorkonstituierten Sinnes“ (ebd. 41). Im Gegensatz zu Denkgebilden, die „aus unserer eigenen Denkaktivität“, d.h. „ausschließlich von innen her gegeben sind“, sind nämlich Dinge „ichfremd vorgegeben, von außen her gegeben“ und treten im subjektiven Erfahren „als schon im voraus daseiende“ auf (Hua XVII, 85f.).

27Erkennen ist anderes als bloßes Wahrnehmen oder Erfahren und setzt mit einer Feststellung ein, die ein durch das Interesse erregter Akt, nämlich die Antwort auf eine Frage, aber kein Sprachliches ist – „wie übrigens zahlreiche andere Sachen“ (Piana 1979, 16, 30, 205). Urteils- oder Aussagesätze bringen eben Feststellungen zum Ausdruck (ebd. 205).

28Sachverhalte sind zwar das Korrelat von Urteilen (ebd.), mithin „eine Wirkgestalt des Ich“ (Hua IX, 210 Anm. 1), aber stammen aus Sachlagen, d.h. aus sinnlichen Verhältnissen zwischen sinnlichen Gegenständen. Jede Sachlage fungiert als „das passiv vorkonstituierte Fundament“ (EU, 288) verschiedener Sachverhalte, da sie je nach der Richtung des Interesses in verschiedenen Weisen explizierbar ist: Die Sachverhalte „a > b“ und „b < a“ gründen in derselben vorkategorialen Sachlage, und zwar in demselben Größenverhältnis. Wird dabei „mit Rücksicht auf die intuitive Sachlage“ geurteilt, dann wird die zweite Gegebenheitsweise durch die erste „,motiviert‘, gefordert“ (und umgekehrt): „Das ist eine Motivation, die schon im Sinnlichen liegt, und die Urteilsmotivation, die zu den Urteilsakten gehört, richtet sich nach dieser sinnlichen Motivationslage“ (Ms. B IV 12/3a-b).

29Husserls Untersuchungen zur Genealogie der Logik zeigen, dass die logischen Formen in der sachlichen Wesensstruktur gründen, die die vorprädikative Erfahrung vor der kategorialen Urteilsformung und der Sprache aufweist.17 Es geht dabei um eine Folgerung der Kategorien, deren Leitfaden nicht in den logischen Urteilsformen, sondern in den sinnlichen Erfahrungsformen liegt: „Dem transzendental-kantischen Weg, der vom Urteil zur Erfahrung vorgeht“, stellt Husserl einen Weg entgegen, „der von der Erfahrung zum Urteil vorgeht“, indem er zeigt, dass der Verstand „keine Gesamtheit fertiger Vorrichtungen ist, die auf Erfahrung zu projizieren sind, sondern in der Erfahrung selbst wurzelt“ (Piana 1979, 217).18 Die logische Struktur des Urteils gründet in der sinnlichen Gliederung der Erfahrung nach selbständigen und unselbständigen Inhalten.

30Urteile setzen die Gegebenheit von Inhalten voraus, die keine syntaktische, sondern nur eine Kernform aufweisen. Im kopulativen Urteil hat das Subjekt die Kernform der Substantivität, die das Für-sich-sein bzw. die Selbständigkeit bezeichnet, und das Prädikat die der Adjektivität, die das An-etwas-sein bzw. die Unselbständigkeit bezeichnet. In dem durch das Erkenntnisinteresse erregten und vor der Urteilstätigkeit stattfindenden Explikationsprozess wird der sinnliche Gegenstand zu Substrat von Eigenheiten und diese zu seinen Bestimmungen. Der aktive Vollzug der Synthesis von Substrat und Bestimmung verwandelt das Substrat von Bestimmungen in Subjekt von Prädikaten: S wird als p erfasst, d.h. aktiv bestimmt, und dies drückt sich in der von der Kopula zustande gebrachten syntaktischen Formung aus. Da also Urteile aus Explikationsprozessen stammen, bilden diese die „Ursprungsstelle der […] logischen Kategorien“ (Hua XXXI, 20), d.h. der formalen Begriffe, „die die zur Form möglicher Urteile gehörigen Bestimmungsstücke wissenschaftlich fassen“ (ebd. 43).

31Alles kann als Substrat, d.h. als Thema des Interesses fungieren. Denn ein Substrat kann der „Substratisierung“ einer Bestimmung entspringen, wie z.B. wenn wir im Betrachten eines Blattes von den Nuancierungen seiner Farbe angezogen werden und diese zum Thema machen. Da jeder sinnliche Inhalt sowohl als Substrat als auch als Bestimmung je nach dem subjektiven Interesse fungieren kann, ist der Unterschied zwischen Substrat und Bestimmung ein relativer. Der Relativität des Substrates als in Bestimmungen explikables Thema des Interesses entspricht der formale Charakter des Gegenstandes als Subjekts möglicher Prädikate oder „Etwas überhaupt“: Wie alles als Substrat in der Erfahrung fungieren kann, so kann alles als Subjekt im Urteil fungieren. Aber dieser relative Unterschied „hat hinter sich einen absoluten Unterschied“ (ebd. 40): den Unterschied zwischen dem, was seiner Natur nach ursprünglich als Substrat erfahren wird und dem die Bestimmungsform außerwesentlich ist, und dem, was seiner Natur nach ursprünglich als Bestimmung erfahren wird und dem die Substratform außerwesentlich ist. „Es gibt Gegenstände, die in ursprünglicher Selbstgegebenheit nur dadurch in Substratform auftreten können, dass sie vorher als Bestimmungen aufgetreten waren. Und es gibt andrerseits Gegenstände, für die das nicht der Fall ist“ (ebd. 41). Jeder Inhalt kann verselbständigt werden und als Subjekt oder Objekt eines Urteils fungieren, aber nicht jedes Substrat kann der Verselbständigung entspringen. Da sie ein unselbständiger Inhalt ist, ist eine Farbe notwendig als Bestimmung gegeben, ehe sie zu Substrat werden kann (ebd. 41, 94f.; Hua IX, 100). Demnach ist es „zu unterscheiden zwischen Substraten und Bestimmungen in absolutem und in relativem Sinne“ (Hua XV, 521; vgl. EU, 151ff.).

32Die Unterscheidung zwischen Substrat und Bestimmung, d.h. zwischen dem, was an sich ist, und dem, was an anderem ist, betrifft „die Gegenstände selbst. Gegenstände sind als sie selbst in Erfahrung gegeben, Erfahrung ist Erfassung des Selbst“ (Hua XXXIV, 308). Da sie auf der Weise beruht, wie Gegenstände vor der syntaktischen Formung beschaffen sind, ist sie „eine objektive Unterscheidung“, die in der sachlichen Eigenart der Inhalte gründet.19 „Der Unterschied des Selbständigen und Unselbständigen ist ein radikaler Unterschied in deren syntaktischen Stoffen, und dieser bedingt dann auch hinsichtlich der Urteile wesentliche Unterschiede“ (Hua XXXI, 95).

33Substantive, die der Verselbständigung eines unselbständigen Inhalts entspringen, weisen nämlich auf ihre ursprüngliche adjektivistische Kernform zurück: Urteile wie „der Apfel hat Röte“ und „die Röte ist an dem Apfel“ geben sich als Modifikationen des Urteils „der Apfel ist rot“ (EU, 264, 268f.). Die Form der Proposition gründet in der Form des Gegebenen und nicht umgekehrt: Die Subjekt-Prädikat-Struktur des Denkens und der Sprache richtet sich nach der Individuum-Eigenschaft-Struktur der Welt.20

34Die Unterscheidung zwischen Bestimmungen und Substrat ist eine Übernahme der aristotelischen Unterscheidung zwischen Akzidenzien oder Prädikabilien und Substanz, die „das identische Ding bezeichnet, sofern es Träger solcher Prädikabilien ist“ (Hua XXX, 370f.), und liegt Husserls Ontologie zugrunde. „Das reale Seiende ist an und für sich, was es ist, d.h. es ist zunächst Individuelles, zeitlich Einmaliges, das Substrat (prädikatives Subjekt) möglicher […] Prädikate ist, aber nicht selbst bloß Prädikat ist“ (Hua IX, 101 Anm.; vgl. Hua XXXII, 36f.). Real Seiende sind also die ersten Substanzen, d.h. die sinnlichen Ganzen. Das Ding besteht zwar nur aus den Eigenschaften, „aber diese sind nicht ein Bündel, sondern ein Ganzes“ (Stumpf 1939/40, 28), das unabhängig vom Eingreifen des Subjekts gegeben ist. Demnach ist die Substanz die „Einheit des Realen“ (Hua XLI, 276) und löst sich weder in eine bloße Menge von Qualitäten auf, noch liegt sie jenseits der Erfahrung. Selbst die reale Welt ist ein Ganzes (ebd. 261, 320, 377) und die Ontologie besteht in der morphologischen „Wissenschaft von den Ganzen als Ganzen“ (ebd. 261), d.h. „von der Wesensgestalt einer Welt überhaupt“ und von deren „Sondergestalten“ (Zeit, Raum und Kausalität) (ebd. 262).

5 | Transzendentale Ästhetik

35Die Erkenntnis der dem phänomenologischen Stoff inhärenten Synthesen ist Bedingung für den richtigen Ansatz zum Problem der Auswirkung des geschichtlich-kulturellen Faktors. Die Auswirkung setzt nämlich voraus, es gäbe etwas, auf das sie sich auswirkt, und Weisen, wie sie es tut: Die geschichtliche Bestimmtheit der Regeln dreidimensionaler Vorstellung und der Weisen, die Erfahrung der Räumlichkeit als eine mit Emotionen, Einbildungen, Stellungnahmen beladene bzw. an Kultur reiche Erfahrung zu leben, kann erst herausgestellt werden, wenn wir festlegen, dass „es Regeln der dreidimensionalen Sicht gibt, die von den der rein phänomenologischen Dimension der Dingdarstellung inhärenten Bedingungen abhängen (und die übrigens auf der ,Physik‘ der Wahrnehmung beruhen)“ (Piana 1979, 46).

36Die Kulturwelt ist nur bedingt zugänglich und besitzt eine beschränkte Objektivität (Hua I, 160ff.). Sie weist „auf eine noch kulturlose“ Welt (Hua XXXIX, 28) zurück, nämlich auf die Natur als „das Universum der Objekte, die mir schlechthin als unmittelbar erfahrbar […] gegeben sind“ (ebd. 30). Denn „Natur ist das in unbedingter Allgemeinheit für jedermann Zugängliche, das unbedingt Gemeinsame, das identisch schon Erfahrbare, das, was für einen allgemeinen Ausdruck der Geistigkeit Voraussetzung ist“ (Mat VIII, 401 Anm. 2). Da also die Gegebenheit geistiger Sinne auf der Gegebenheit physischer Körper fundiert ist, ist die „Dingwelt gegenüber der Kulturwelt das an sich Frühere“ (Hua IX, 119). Was Bedeutung hat, ist nämlich ein Sinnliches, das dank seiner ästhetischen Struktur identifizierbar ist (Hua XXXIV, 261; Hua XXXIX, 324). Während geistige Bedeutungen erst aufgrund materieller Dinge gegeben sein können, können letztere gegeben sein, auch wenn sie keine geistige Bedeutung aufweisen: Wir nehmen manchmal etwas wahr, das wir außer als Raumding nicht klassifizieren können. In der Erfahrung liegt demgemäß ein identischer sinnlicher Inhaltskern, d.h. ein „unbedingt Objektives“, über das hinaus je nach den Sondergemeinschaften wechselnde kulturelle Bestimmungen bestehen, die „das relativ Objektive“ bilden (Hua XXXIX, 295, 297): Auch für den „Zulu“ sind die Bücher als Dinge da und es ist dieselbe Sonne, die verschieden mythologisiert wird (ebd. 691f.; Hua XXIX, 387). Was der Welt „ihre Identität und Wirklichkeit gegenüber den wechselnden Weisen der Apperzeption“ gibt (Hua XV, 167), ist also die „,ästhetische Wesensform“ (Hua XXXIX, 685), d.h. diejenige „absolut identische objektive Struktur“, welche als „Unterschicht aller Realitäten“ fungiert (ebd. 297f.) und den nicht geschichtlich relativierbaren Grund aller geschichtlichen Relativierung bildet.21 Den vielen Umwelten oder Weltbildern liegt demnach eine Erfahrungswelt zugrunde, die „wesensmäßig dieselbe“ ist (Hua VI, 386), denn sie „bleibt, als sie ist, in ihrer eigenen Wesensstruktur, in ihrem eigenen konkreten Kausalstil ungeändert, was immer wir kunstlos oder als Kunst tun“ (ebd. 51). Jeder weiß, dass dieselbe Erfahrungswelt anders aufgefasst wird (Hua XV, 217, 396), und setzt voraus, dass sich eine Welt an sich in jeder subjektiv-relativen Umwelt bekundet. „Diese Voraussetzung ist nicht ein theoretisches, historisch-faktisches Vorurteil, sondern gehört zum wesentlichen Sinn der Welterfahrung eines jeden“ (Hua XXXIX, 684).

37Die „Identitätsstruktur“ aller Umwelten bezeichnet Husserl als „natürlichen Weltbegriff“ (Hua IX, 496). Seine Idee einer transzendentalen Ästhetik stammt gerade aus Avenarius’ Gedanken einer Entfaltung des natürlichen Weltbegriffs, und zwar aus dessen eidetischer Umdeutung im Sinne einer Beschreibung der Wesensstruktur der Erfahrungswelt (Ms. A VII 20/47a). Die anschauliche Welt ist vor allem Denken gegeben.22 Es gilt also, „die Welt zu beschreiben, so wie sie sich mir unmittelbar gibt bzw. die Erfahrung zu beschreiben hinsichtlich des Erfahrenen als solchen“, um den „allgemeinen Sinnesrahmen der Welt in unmittelbarer Erfahrung“ herauszustellen (Hua XIII, 196f.). Die transzendentale Ästhetik betrifft gerade das „Erfahren vor allem begrifflichen Denken“ (Hua XXXII, 233). Ihr Gegenstand ist das Apriori, wodurch sich Objekte und eine Welt „vor den kategorialen Aktionen“ bzw. passiv konstituieren (Hua XVII, 297), nämlich diejenige „elementare Grammatik der Bildung von ,Objekten‘“, die in der Feststellung vorausgesetzt wird, dass jede Menschengemeinschaft ihre Weltvorstellung oder Ontologie hat (BW VII, 164). In der transzendentalen Ästhetik wird demnach eine Beschränkung auf Körperwahrnehmung durch Ausschluss des urteilsmäßigen Wissens und der Kulturwelt vollzogen (Hua XI, 295; Hua XXXIX, 268): Das Erfahren einerseits und das denkmäßige Bestimmen und Auffassen sowie das Tun andererseits werden gegenübergestellt, um die „Erfahrungsgestalt einer Welt überhaupt (bzw. der uns allen gemeinsamen Welt)“ herauszufassen, „die eben notwendig überall voranliegt, zugrunde liegt, wenn überhaupt die Subjektivität dazu übergeht, über die von ihr erfahrene sich Gedanken zu machen, sie so oder so zu interpretieren“ (Hua XXXIX, 260). Man muss also scheiden, „was Sache der Vorgegebenheit und was Sache der Ichbeteiligung ist“ (Ms. A VII 13/101b), um subjektive Zutaten, d.h. „das Moment des Begrifflichen“ (Hua XXIV, 319) abzuziehen und das vor dem Eingreifen des Subjekts Gegebene herauszustellen.

38Insofern die Phänomenologie die Struktur der Erfahrung evident machen muss und somit eminenter Erfahrungslehre ist, ist sie eminenter transzendentale Ästhetik. Die phänomenologische Analyse ist eine Analytik der Bastardbegriffe, weil sie nicht von exakten, durch Idealisierungsleistungen hergestellten Begriffen, sondern von anschaulichen, erfahrungsnahen Begriffen ausgeht, die in Anlehnung an Platon (Timaeus, 52 B) gerade als Bastardbegriffe bezeichnet werden können (Piana 2016, 199f.). Im Gegensatz zu den logisch-wissenschaftlichen Begriffen sind solche sachhaltigen, typologischen, morphologischen, nämlich sinnlichen Begriffe aus der Erfahrung geschöpft und in ihr fassbar (Hua XLI, 59; Hua XXXII, 197f.), da sie aus „ästhetischer Logifizierung“ (Ms. B I 32/15b) stammen. Sie sind die einzigen Begriffe, die eine reale Bedeutung haben. Die eigentliche Ontologie ist demgemäß die „Ästhetik der Natur“ (Hua XLI, 273) oder „Ontologie einer erfahrenen Natur überhaupt“ (Hua XXXIX, 268), d.h. die „Wesenslehre“ oder „Ontologie der Lebenswelt rein als Erfahrungswelt“ (Hua VI, 144, 176). Ihre Aufgabe – die als „das Erste“ gilt – ist, „das durch alle subjektiven Gegebenheitsweisen hindurch zu erhaltende gegenständlich Identische, das Ontische in seiner ont<ischen> Wesensart, wie es in der Erfahrung selbst beschlossen ist, herauszustellen“ (Hua XLI, 346).

6 | Idealismus und Ideologie

39Der Kern der Reduktion ist „the idea of a characterization of beings by means of displaying the differences in their modes of manifestation, rather than by means of definitions“ (Piana 2016, 193): Das Sein der Seienden ist auf deren Erscheinungsweise zurückzuführen. „Von hier aus betrachtet, stellt die phänomenologische Epoché – wie zum Teil auch der cartesianische Zweifelsversuch – nur einen Kunstgriff dar, um eine die Welt als phänomenales Feld erörternde Untersuchung einzuleiten“ (Piana 1996, 115f.).

40Denn die Reduktion ermöglicht, „die Erfahrungswelt als Welt der möglichen Erfahrung“ anzusehen (Hua VIII, 436), und ist auf den phänomenologischen Intuitionismus (Hua XXXV, 471ff.; Piana 2016, 190ff.) zurückzuführen. Letzterer hat mit übernatürlichen Erleuchtungen, geheimnisvollen intellektuellen Anschauungen oder unerhörten geistigen Kräften nichts zu tun, sondern besagt, „dass ich verlässlich nur urteile, wo ich, was ich meine, auch selbst ausweisen und aufweisen kann, und letzte Aufweisung ist Sehen oder etwas dem gewöhnlichen Sehen genau Analoges“ (Hua XXXV, 288). Da sie „die einzig mögliche Autorität“ ist, darf die Anschauung nicht geleugnet oder durch indirekte Mittel verdrängt werden, die sie in Wahrheit voraussetzen (Hua XX/1, 322). Das spekulative Denken ist „ein Denken in bloßen Wortbedeutungen“ (Hua XLII, 271 Anm. 1), denn „Spekulation lässt sich nicht berichtigen, berichtigen kann man nur in einer Sphäre gegebener Sachen“ (BW VI, 419).

41Durch die Reduktion wird jede Erklärung sinnlich gegebener bzw. realer Phänomene durch bloß gedachte bzw. ideale Entitäten zugunsten der reinen Wesensbeschreibung der Phänomene gehemmt. Anders als Hegel meint (HW V, 44; HW VIII, § 45 Z), sind nämlich sinnliche Phänomene kein „Nichtiges“, sondern die wahrhafte Wirklichkeit, und haben den Grund ihres Seins in sich selbst. Gegen die platonische, christliche und rationalistische „Degradation der Sinnlichkeit“, wonach diese „ein Vermögen bloß verworrenen Vorstellens, die Quelle alles Scheins, Trugs, alles Irrtums und aller Schlechtigkeit“ darstellt (Mat III, 170), behauptet Husserl, Sinnlichkeit sei kein „trübendes Medium, welches statt der Dinge an sich bloße Erscheinungen derselben gibt“ (ebd. 172): Das Reale ist das Sinnliche (ebd. 168, 171) und die Welt, so wie sie in wirklicher Erfahrung gegeben ist, d.h. die „Welt der Sinnlichkeit“ ist die einzig wirkliche und wahre Welt (Hua VI, 360, 49; Hua XXIX, 140). Die Dinge sind, was sie sind, „als Dinge der Erfahrung“ (Hua III, 100) und „Erfahrung ist in erster Ursprünglichkeit Wahrnehmung“ (Hua XXXIV, 237 Anm. 2). Deswegen stellt Wahrnehmung „das letzte Maß der Wirklichkeit“ dar (Hua XL, 314).

42Piana hebt jedoch hervor, dass die Theorie der phänomenologischen Reduktion nicht nur eine theoretische, sondern auch eine ideologische Motivation hat, und zwar „the need to voice appeals and tensions of the time“: Husserls Absicht, das Leben und die Kultur radikal zu erneuern, erklärt, „why phenomenology as a whole tends to assume more and more clearly […] the character of a philosophy of subjectivity, which does not hesitate to appeal to the idealistic tradition“ (Piana 2016, 185f.). „Husserls transzendentaler Idealismus verfolgt also zunächst einen ethischen Anspruch: Damit soll die Weisheit der Philosophie der sinnlosen Tragik der Geschichte gegenüber geltend gemacht werden“ (Piana 1996, 115).

43Man kann nicht Husserls Denken einsehen, wenn man die es kennzeichnende Spannung zwischen theoretischen und ideologischen Motiven versäumt, wie das bei den meisten Husserl-Forschern der Fall ist.23 In solcher Spannung liegt nämlich die „grundlegende Interpretationsfrage nach der Phänomenologie in der von Husserl ausgearbeiteten Form“ (Piana 1989, 14).

7 | Idealismus und Psychologie

44Wie Piana bemerkt, besteht Wahrnehmung

zwar aus subjektiven Momenten, aber diese stellen das Ding selbst dar, etwa diesen Stuhl, den ich eben sehen und tasten kann, und nicht ein Phantasma von Stuhl, das als psychische Vermittlung gegenüber dem außer dem Bewusstsein liegenden realen Ding fungieren würde. Die ‚Intentionalitätstheorie‘ […] enthält zwar die Leugnung, dass es ein Außer des Bewusstseins gäbe – aber sie enthält auch die Leugnung, dass das Bewusstsein eine Art Ort […] sei, innerhalb dessen die Bilder der Dinge liegen (OC XXIV, 13).

45Piana übersieht jedoch, dass Husserl inkonsequent ist und in seinem Denken ein Rest von Psychologismus verbleibt, der die theoretische Motivation seines Idealismus darstellt.24

46Da er Brentanos Thesis billigt, dass nur das Psychische eigentlich gegeben ist, meint Husserl, dass das Raumding aus zwei immanenten Beständen erwächst: Die Empfindungsinhalte, die den formlosen Stoff der Auffassung ausmachen, und der Auffassungsakt, der den Empfindungsinhalten die intentionale Form verleiht, indem er sie beseelt und als Erscheinungen des transzendenten Gegenstandes deutet. Dies widerspricht der Lehre materialer Gesetzmäßigkeit (wonach sinnliche Formen nicht durch die Akte des Subjekts, sondern durch die Wesenseigenart der Inhalte bedingt werden) und impliziert, dass in der sinnlichen Konstitution die psychologische Gesetzmäßigkeit der Formgebung waltet und die Natur eine Schöpfung des Subjekts ist (Hua XLII, 170).

47Zwar lehnt Husserl die Bildertheorie ab. „Aber die Dinge haben ihre Logik, auch wo die Menschen sie nicht haben wollen“ (Luxemburg 1974, 22). Das Schema Inhalt/Auffassung führt nämlich die Schlusstheorie der Wahrnehmung mit sich. Ausgenommen die urhyletischen Daten im ursprünglichen Zeitbewusstsein, gelten Empfindungsdaten als immanente Urgegenstände (Hua IV, 214; Hua XXXIX, 7), weil „die Rede von Daten und dann Auffassungen gerade den Gedanken von im Voraus schon seienden Gegenständen, die nachkommend in Funktion genommen werden, mit sich führt“ (Hua XXXIX, 16 Anm. 2):

In der Genesis – wird man wohl nachweisen können – müssten alle Daten […] zunächst thematisch gewesen sein, in gewisser Weise als Enden fungiert haben, aber diesen Gegenstandscharakter haben sie nach der Konstitution einer Welt verloren. Er ist irgendwie – sollen wir sagen: durch beständigen Nicht-Gebrauch oder durch beständiges und ausschließliches Fungieren als Durchgang – in Verfall geraten (ebd. 17).

48Insofern reell immanente Empfindungsinhalte das einzig unmittelbar Gegebene sind, können sie entweder bloß gegenwärtig sein oder – dank eines deutenden Aktes – als Fundamente der Auffassung, d.h. als Zeichen oder Bilder des Gegenstandes dienen.25 Demzufolge ist äußere Wahrnehmung „ein mittelbares Bewusstsein, sofern unmittelbar nur eine Apperzeption gehabt ist, ein Bestand von Empfindungsdaten […] und eine apperzeptive Auffassung, durch die eine darstellende Erscheinung sich konstituiert“ (Hua XI, 18). Raumgegenstände „konstituieren sich schon mittelbar, durch ,Apperzeption‘ von Empfindungsgegenständen“, während Empfindungsgegenstände „unmittelbar sinnliche Gegenstände“ sind und „als apperzeptive Repräsentanten für höherstufige apperzipierte Gegenstände dienen“ (Hua XXXIII, 319).

49Äußere Wahrnehmung ist eine Repräsentation, weil nur das Bewusstseinsimmanente wirklich besteht, mithin innere Wahrnehmung die einzig eigentliche Wahrnehmung ist.26 Da also das Physische bloß in Bewusstseinszusammenhängen besteht (Hua XIII, 7; Hua XXXVI, 32), gibt es eigentlich „gar nichts anderes als ,Geister‘“ (Hua XLII, 158; Hua XIII, 232). Gerade solche Reduktion auf das Bewusstsein oder Auflösung der Welt in Bewusstseinszusammenhänge gilt Husserl als Idealismus.27

50Demnach ist die transzendentale Einstellung eine Art „Introspektion“ (Hua XV, 23), die „auf Empfindung und Auffassung“ gerichtet ist (Hua XXXVI, 129). Die Methode der Phänomenologie ist dieselbe der apriorischen Psychologie (Hua XVII, 261) und transzendentale Psychologie und transzendentale Phänomenologie sind identisch, da beide die transzendentale Innerlichkeit betreffen (Hua VI, 261ff.). Die Psychologie gilt daher als Feld oder Stätte der Entscheidungen (ebd. 212, 218).

51Die Zweideutigkeit der Phänomenologie hängt mit der Zweideutigkeit des Worts ‚Erscheinung‘ bzw. ‚Phänomen‘ zusammen, das im noetischen oder im ontischen Sinn verstanden werden kann und sowohl das Erscheinen (die immanenten Erlebnisse) als auch das Erscheinende (die transzendenten Gegenstände) bezeichnen kann.28 Davon hängt die Zweideutigkeit der phänomenologischen Reduktion ab, die in einer „Phänomenierung“ (Hua XXIV, 211) oder Reduktion des Seins auf das Phänomen besteht. Wird ‚Phänomen‘ als Erscheinendes verstanden, so werden Gegenstände auf das reduziert, was sie an sich sind, d.h. als sinnliche Gegenstände betrachtet, und das Beseitigte sind die dahinter angesetzten erklärenden Substruktionen. Wird ‚Phänomen‘ als Erscheinen verstanden, so werden Gegenstände auf den Bewusstseinsstrom reduziert (Hua VIII, 432, 434) und das Beseitigte ist das sinnlich Erscheinende, weshalb es um eine psychologische Reduktion auf das reell Immanente geht.

8 | Schluss

52Insofern die Subjektivität die letzte Stätte aller Geltung und Ausweisung, aber keineswegs das Prinzip der Konstitution ist,29 gilt es nicht, wie das in weiten Strecken der Werke von und über Husserl der Fall ist, Litaneien über die Subjektivität auszusprechen, sondern das sinnlich Gegebene und dessen sinnliche Strukturen in ihrer Objektivität (d.h. Unabhängigkeit von und Unableitbarkeit aus der Subjektivität) zu entfalten. Dies allein ermöglicht es, den Beitrag des Subjekts abzuheben.

53Bei Husserl – genauso wie bei Brentano – bestehen aristotelischer Objektivismus und cartesianischer Subjektivismus in widersprüchlicher Weise nebeneinander. Es geht darum, sie zu scheiden und die Phänomenologie von den psychologischen Resten (sowie von den ideologischen Elementen) zu befreien, die in ihr vorhanden sind. Pianas Werk ist einer der ganz wenigen wertvollen Beiträge dazu.

Appendix 1

Abkürzungen

BW Husserl, E. Briefwechsel, hg. von K. Schuhmann und E. Schuhmann. 10 Bde. Dordrecht: Kluwer, 1994.
EU Husserl, E. Erfahrung und Urteil. Untersuchungen zur Genealogie der Logik, hg. von L. Landgrebe. Hamburg: Meiner, 1972.
Hua Husserliana. Edmund Husserl – Gesammelte Werke. Den Haag: Nijhoff, 1950ff.
HW Hegel, G. W. F. Werke in zwanzig Bänden, hg. von E. Moldenhauer und K. M. Michel. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1969–71.
KGS Kants Gesammelte Schriften (Akademie-Ausgabe). Berlin: De Gruyter, 1900ff.
Mat Husserliana Materialien. Edmund Husserl – Materialien. Dordrecht: Kluwer, 2001ff.
OC Piana, G. Opere complete. 27 Bde. Lulu.com, 2013.

    Notes

  • 1 Ich danke der Direktorin des Husserl-Archivs in Löwen, Prof. Julia Jansen, für die Genehmigung, aus Husserls unveröffentlichten Manuskripten zu zitieren, sowie Wolfgang Kaltenbacher für die Hinweise zur Verbesserung des Textes.
  • 2 Vgl. Tugendhat (1967, 163ff., 181, 219); De Palma (2014).
  • 3 Vgl. De Palma (2020). Piana zufolge entnimmt Husserls Philosophie „die tiefesten Motivationen ihrer Reflexion den Quellen des Empirismus“ (OC XXIV, 37); vgl. Piana (1989, 17ff.).
  • 4 Vgl. Martin (1969, 115ff.).
  • 5 Bereits Thomas (Summa theologiae, I, 13, 7) bemerkt: „quidam posuerunt relationem non esse rem naturae sed rationis tantum. Quod quidem apparet esse falsum, ex hoc quod ipsae res naturalem ordinem et habitudinem habent ad invicem“.
  • 6 Vgl. Lewis (1929, 154ff.).
  • 7 Husserls Rede vom affektiven Relief weist nicht auf eine Gefühlsabhängigkeit sinnlicher Gegebenheiten, sondern auf die sachlichen Bedingungen der Abhebung hin (Hua XI, 175). Denn „das einzelne in seinem Zusammenhang ist in seiner affektiven Kraft von den übrigen abhängig, wie diese von ihm“ (ebd. 150), weshalb das affektive Relief „abhängig ist von der allgemeinen Strukturgesetzlichkeit der Gegenwartssphäre hinsichtlich ihrer Typik zeitlicher und lokaler Konfiguration (gegenständlicher Organisation)“ (ebd. 164) und in solcher Struktur seine „sachliche Unterlage“ hat (ebd. 168).
  • 8 Als Grundsätze der Einheitsbildung gelten selbst nach der Gestaltpsychologie die „sachliche Beschaffenheit des Gegebenen“, „das inhaltliche Zueinander des Gegebenen“ und die „Gesamtheit der Sachverhältnisse in der näheren und weiteren Umgebung“ (Metzger 1968, 105, 106, 112).
  • 9 Die Unterscheidung zwischen formalen und inhaltlichen Synthesen liegt der Hypothese der Weltvernichtung zugrunde. Dass Bewusstsein existieren kann, ohne dass eine transzendente Realität ist, besagt nur: „Wir können die immanente Zeit willkürlich besetzen, so dass keine Natur konstituiert wäre“ (Hua XXXVI, 79). Da die zeitliche Synthesis von der assoziativen Synthesis unabhängig ist, kann Bewusstsein bestehen, auch wenn die die Zeitform erfüllenden Inhalte sachlich zusammenhangslos sind und keine „einstimmig setzbare, also seiende Welt“ (Hua III, 497) sich konstituieren kann.
  • 10 Hegel fasst die Intelligenz als den „nächtlichen Schacht, in welchem eine Welt unendlich vieler Bilder und Vorstellungen aufbewahrt ist, ohne dass sie im Bewusstsein wären“ (HW X, § 453 A). In solcher „Nacht der Aufbewahrung“ ist das Bild „in seinem Schatze aufbewahrt, in seiner Nacht, es ist bewusstlos, d.h. ohne als Gegenstand vor die Vorstellung herausgestellt zu sein. Der Mensch ist diese Nacht, dies leere Nichts, das alles in ihrer Einfachheit enthält, ein Reichtum unendlich vieler Vorstellungen, Bilder, deren keines ihm gerade einfällt oder die nicht als gegenwärtige sind“ (Hegel 1976, 186f. und Anm. 2).
  • 11 Strukturelle Faktoren besitzen eine Überlegenheit gegenüber der vergangenen Erfahrung und können sogar ihre Wirkung ausschalten: Bekannte Gestalten werden unsichtbar, wenn die Hinzufügung weiterer Linien unbekannte Gestalten ergibt. Vgl. Kanizsa (1979).
  • 12 Die Zugehörigkeit der passiven Synthesis zu den erstmals in der Philosophie der Arithmetik dargelegten Inhaltsrelationen und somit die sachliche Grundlage der sinnlichen Konstitution werden von Kern (1964, 257ff.) und Holenstein (1972, 76, 197, 346) verkannt, die eine kantische Deutung der Passivität vertreten. Holenstein fällt zudem in die Mythologie der Seelenvermögen, wenn er die Assoziation auf die Einbildungskraft aufgrund einer Einzelstelle zurückführt, wo Husserl sagt, Kants Synthesis der Einbildungskraft sei „das, was wir passive Konstitution nennen“ (Hua XI, 275f.). Dass zwischen Kants Synthesis der Einbildungskraft und des Verstandes dasselbe Fundierungsverhältnis wie zwischen Husserls passiver und aktiver Synthesis besteht, impliziert nicht, dass Husserls passive Synthesis der Einbildungskraft zuzuschreiben sei. Lee (1993) diskutiert Husserls Assoziationstheorie, ohne die Ähnlichkeit zu berücksichtigen, die Husserl als Prinzip der Assoziation gilt.
  • 13 Vgl. Holenstein (1972, 212, 216). Im Gegensatz dazu versteht Husserl manchmal die Passivität als eine Art Aktivität, was widersprüchlich ist: Die passive Konstitution sei „Ichleistung“ und diese „der innerste Motor“ des ganzen urströmenden Geschehens (Hua XXXIV, 181; Mat VIII, 199; Held 1966, 99ff.; Landgrebe 1982, 75). Das unterstützt die These, dass die sinnliche Konstitution nach dem Schema Inhalt/Auffassung stattfindet und die Hyle „von mir selbst her[kommt]“ (Aguirre 1970, XIX, XXIII Anm. 30, 129ff., 167; Landgrebe 1982, 81f.; Lee 1993, 42, 136; Lohmar 1998, 171f. Anm. 26, 218 Anm. 94). Nach solcher Interpretation, die den Gedanken sachlicher Gesetzmäßigkeit verdrängt, führt die Konstitutionsanalyse „notwendig zu einem absoluten undifferenzierten Anfang“, denn „die ,Wahrnehmung‘ wird zur ,Empfindung‘ und diese schließlich zu absoluter Indifferenz“ (Aguirre 1970, 162f.).
  • 14 Vgl. Hua XI 166f.; Mat VIII, 184, 189; Hua XLII, 28, 34, 35.
  • 15 Vgl. Gurwitsch (1975, 30).
  • 16 Vgl. Hua XV, 98; Hua XXXIX, 81ff.; Ms. B I 13/37a; Ms. A VII 20/19a.
  • 17 Das Unverständnis solcher Untersuchungen charakterisiert Tugendhats ausgezeichnete Husserl-Abhandlung (Tugendhat 1967, 9-255) und bestimmt seine spätere sprachanalytische Wende (Tugendhat 1976).
  • 18 Husserl zufolge sind Kategorien in der Erfahrung zu finden (Hua V, 25). Deshalb übernimmt er Lockes Gedanken einer empirischen Folgerung der Kategorien (Hua VII, 97ff.; Hua XXXV, 289) und lehnt Kants transzendentale Deduktion als „ein Musterstück einer transzendentalen Beweisführung von oben her“ ab (Hua XXXVII, 212). Vgl. De Palma (2016a).
  • 19 Vgl. Hua XIX, 238ff., 579f.; EU, 147ff., 161, 163, 248f.
  • 20 Vgl. Fales (1996, 119); BonJour (2000, 473f.).
  • 21 Vgl. Mertens (1996, 273).
  • 22 Vgl. Hua IX, 56; Hua XLI, 289; Hua XXXII, 15, 116.
  • 23 Zu den wenigen Ausnahmen zählen Ingarden (1998, 234, 272f.) und Boehm (1968). Über die ideologischen Motive von Husserls Denken vgl. De Palma (2019).
  • 24 Vgl. De Palma (2016b).
  • 25 Vgl. Hua XIX, 80f., 399, 769f.; Hua XXXVII, 19, 34f.; Hua XVI, 48: Hua XI, 17.
  • 26 Vgl. Hua XXII, 108; Hua XIX, 365f., 646ff., 769ff.; Hua XXXVI, 21ff., 62ff.; Hua XI, 16ff.
  • 27 Vgl. Hua XXXVI, 27, 138; Ms. B I 4/15a; Hua XLII, 577; Schuhmann, Smith (1985, 774). In der ersten Auflage der Logischen Untersuchungen heißt es, dass Sinnendinge „aus demselben Stoff konstituiert sind, den wir als Empfindungen zum Bewusstseinsinhalt rechnen“ (Hua XIX, 764), und dass „die objektiven Gründe aller Rede von physischen Dingen und Ereignissen in bloßen gesetzmäßigen Korrelationen [...] zwischen den psychischen Erlebnissen“ liegen (ebd. 371).
  • 28 Vgl. Kern (1975, 432ff.).
  • 29 Vgl. Tugendhat (1967, 199, 212ff.).

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Publication details

Published in:

Caminada Emanuele, Summa Michela (2020). Giovanni Piana. Phenomenological Reviews Special Issue 1.

DOI: 10.19079/PR.s1.6

Full citation:

De Palma Vittorio (2020). Das sinnlich Gegebene als das Maßgebende: Zur Verteidigung und Weiterführung von Pianas objektivistischer Auffassung der Phänomenologie. Phenomenological Reviews 1.